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Mein Herz schlägt für das Sauerland...
Eine Kolumne von Hermann-J. Hoffe ist aktuell im Sonderheft "Sauerland" erschienen. Hier können Sie lesen, was der überzeugte Sauerländer über seine Region denkt.
Fragt man einen Bewohner des Sauerlandes, welches Lied er über das „Land der tausend Berge“ kenne und vielleicht sogar ein wenig möge, dann wird der neugierige Frager häufig hören: „Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland...“ So wie die Rheinländer – zumindest die südlich von Düsseldorf leben - ihre kölschen Lieder haben oder die Bayern oder die Tiroler ihre Jodler, so haben auch die Sauerländer IHR LIED gefunden. Der Fetenhit aus den 80iger Jahren der Band ZOFF ist zu Sauerländer Hymne auf Schützenfesten und Parties, in Kneipen und Diskotheken geworden, wenn zu vorgerückter Stunde auch der tanzmüdeste Sauerländer seine sonst häufig dem Tanzen nicht so wohl gesonnenen Beine auf die Tanzbretter schwingt. Jung und Alt schmettern gleichsam den Sauerlandsong und in ihren Augen ist so etwas wie Stolz auf das Sauerland zu entdecken. Das ist ihr Lied, ihre Liebeserklärung an das Sauerland.
Bei manchem hochoffiziellen Vertreter des Sauerlandes hat sich diese Begeisterung für die Sauerland-Hymne – aus unerklärlichen Gründen – nicht so durchsetzen können. Gut, einige Textpassagen sind typisch sauerländisch herb. „Begrabt mich mal am Lennestrand...“ oder „Wo die Mädchen noch wilder als die Kühe sind“. Doch, ob eine Sauerländerin das anstößig findet? Im Gegenteil, wenn der Sauerländer oder die Sauerländerin mal aus sich rausgehen, was nicht jeden Tag sein muss wie bei überdrehten Rheinländern, dann kann der geübte Beobachter schon ein gewisse Dynamik erkennen, die der eine oder andere durchaus als Wildheit bezeichnen möchte.
Und da wären wir wieder bei den bekannten Vorurteilen über die sturen, steifen, langatmigen.... Sauerländer. Dabei sollte jeder Kritiker der Sauerländer sich daran erinnern, was die große westfälische Dichterin Annette von Droste-Hülshoff über die Sauerländer so zu sagen hatte. „Der Sauerländer ist ungemein groß und wohlgebaut, vielleicht der größte Menschenschlag in Deutschland, aber von wenig geschmeidigen Formen; kolossale Körperkraft ist bei ihm gewöhnlicher, als Behendigkeit anzutreffen. Seine Züge, obwohl etwas breit und verflacht, sind sehr angenehm, und bei vorherrschend lichtbraunem oder blonden Haare haben doch seine langbewimperten blauen Augen alle den Glanz und den dunkeln Blick der schwarzen. – Seine Physiognomie ist kühn und offen, sein Anstand ungezwungen, so daß man geneigt ist, ihn für ein argloseres Naturkind zu halten, als irgendeinen seiner Mitwestfalen; dennoch ist nicht leicht ein Sauerländer ohne einen starken Zusatz von Schlauheit, Verschlossenheit und praktischer Verstandesschärfe, und selbst der sonst Beschränkteste unter ihnen wird gegen den gescheutesten Münsterländer fast immer praktisch im Vorteil stehen.“
Liebe Mitwestfalen im Münsterland, im östlichen Ruhrpott und in OWL, seht uns nach, dass wir so gerne auf dieses Zitat unserer westfälischen Nachtigall zurückgreifen. Doch besser hätte man uns ja auch nicht beschreiben können, finden wir Sauerländer.
Und man begegnet diesem bodenständigen Menschenschlag auch heute noch: der Sauerländer - manchmal etwas ungelenk, zurückhaltend – jedoch dabei klug und pfiffig – was man aber nach Außen nicht zeigen muss, außer wenn man es will und ein wenig losgelassen wird.
Mein Herz schlägt für diese Menschen! Sie sind ehrlich, gradlinig, haben einen trockenen Humor, der sich dem nicht sofort erschließt, der oberflächlich ist und schnelle Witze liebt. Doch auf einen Sauerländer kannst Du Dich immer verlassen. Der steht zu seinem Wort, auch wenn es zu seinem Nachteil wäre. Deshalb wird er sich immer gerne hinter den häufig lauten „Ruhrpöttler“ oder den allzu lustigen Rheinländer stellen und warten bis sie die Bühne verlassen. Dann ist er da, der Sauerländer und macht sein Ding. Weil er an sich glaubt und zielstrebig, aber mit Bedacht seinen Weg geht. So haben die Sauerländer und Sauerländerinnen in den all den Jahrhunderten und Jahrzehnten ihren Weg gemacht, die Möglichkeiten genutzt, die wegen der kargen Landschaft und der tausend Berge nur mit Ausdauer und Hartnäckigkeit zu Erfolgen führten.
Mein Herz schlägt für das Sauerland. Begrabt mich dann am Lennestrand, wo die Misthaufen (immer weniger) qualmen, da gibt’s keine Palmen. Macht auch nichts. Sauerland ist einfach faszinierend schön. Mein Herz schlägt für dieses schöne Stück Deutschland und seine liebenswerten, treuen und ehrlichen Menschen.
In diesem Sinne seid willkommen im Land der tausend Berge. Besucht uns. Am besten sofort. Wir haben tolle Hotels und Gasthöfe, leckeres Essen, eine wunderschöne Landschaft. Und natürlich auch noch das leckerste Pils der Welt. Nicht nur auf den Schützenfesten.
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